in Arbeit

Radunsky hört zu


Daniel Radunsky ist Gesprächstherapeut mit literarischen Ambitionen. Er hat einen Romanentwurf verfasst, angeregt von den Erzählungen einer ehemaligen Patientin, Paula. Motive sind die erotischen Erfahrungen aus ihrer Jugendzeit vor ca. 40 Jahren, verfremdet allerdings und in die Jetzt-Zeit versetzt. Vor einer Überarbeitung und etwaigen Veröffentlichung dieses "erotischen Alphabets", wie der Untertitel seiner Arbeit lauten soll, will er Paulas Okay einholen.

Diese empfindet die Aneinanderreihung erotischer Abenteuer ohne das Ideengefüge der 70er Jahre, ohne den Bodensatz jener Zeit, als im luftleeren Raum angesiedelt und an vielen Stellen schon gar nicht ins Hier und Heute passend.

Auf Radunskys Bitte hin erkärt sich Paula bereit, eine Reihe ihrer Erinnerungsbilder für ihn Revue passieren zu lassen. Es ist die Zeit kurz vor Radunskys Geburt und die Jahre seiner frühen Kindheit, die ihm nichtsdestoweniger exotisch und weit entfernt anmutet.

Die Frage ist, wie er mit Paulas Rückblicken auf ihre Erlebnisse und ihrer Schilderung des Zeitkolorits umgehen soll. Sein ursprüngliches Manuskript komplett ändern? Eine ganz andere Geschichte als Coming-of-Age-Roman schreiben? Eine Art Biografie Paulas verfassen?


Ich habe mein Manuskript zwischen 2010 und 2015 geschrieben, war aber mit dem Ende nicht zufrieden. Hab's auf Eis gelegt, immer mal wieder rausgeholt und eine weitere Schlussfassung geschrieben und wieder verworfen. Und hoffe, bald eine zu finden, die mir selbst gefällt.

Radunsky ist übrigens eine Figur, die aus drei mir bekannten Personen gebacken sein könnte. Und Paula könnte eine enge Freundin gewesen sein und meine Wegbegleiterin vor allem auf den Feldern der Kulturszene dieser Zeit.

Und so hat die Geschichte durchaus gewisse autobiografische Züge.

Rabenkinder


Susanne und Sybille sind zwei Schwestern, die in der Zeit kurz nach dem zweiten Weltkrieg in einem spießigen und rigiden Elternhaus aufwachsen. Sie kämpfen darum, ihre Lebensentwürfe durchzusetzen.

Die ältere etwa hat sich verliebt: in einen vom Vater nicht akzeptierten jungen Mann. Es gelingt ihr, schwanger zu werden, also "muss" sie ihn heiraten. Eine Tochter und danach noch vier Söhne - Susanne zelebriert ihre Rolle als Mutter und Gattin.

Die jüngere, Sybille, studiert, wird Biologielehrerin und bleibt unverheiratet. Auch das ganz und gar nicht nach Gusto des Vaters. Er hadert mit seinen "Rabenkindern", die sich um seine Vorstellungen nicht scheren.

Die beiden sehr unterschiedlichen Schwestern haben ein nicht unkompliziertes Verhältnis zueinander; zum unversöhnlichen Konflikt kommt es, als Susanne zuerst Sybilles große Liebe verführt und schließlich ihre Familie verlässt, um mit einer Hippie-Gruppe nach Indien zu gehen. Ihren jüngsten Sohn nimmt sie mit. Tante Sybille sieht sich in der Pflicht zu intervenieren und alles daranzusetzen, den Jungen nach Hause zu holen.


Der Roman begleitet die Famile in Zeitsprüngen durch fünf Jahrzehnte, und er bedient sich der individuellen Sichtweisen seiner Protagonisten auf die Begebenheiten und Ereignisse, die die spezifische Geschichte dieser Familie ausmachen.


Dieses Manuskript habe ich Anfang der Nuller-Jahre geschrieben. Ich hatte zwei Erzählungen in einer Reihe "erotischer Lesebücher" veröffentlicht, und es kam die Anfrage, einen erotischen Roman zu schreiben. Eine Konzentration alleine auf Erotik hätte ich langweilig gefunden, aber da lag doch das Gerüst für die "Rabenkinder" und die ersten Kapitel - mit durchaus einigen erotischen Passagen - in meiner Schublade ... Ich erntete eine positive Resonanz, nur wechselte dann das Lektorat, und mein Projekt war nicht mehr interessant.

Ich arbeitete zwar noch weitere Kapitel aus, aber die Luft war raus. Mir gefiel auch - mal wieder - das geplante Ende nicht mehr, und dann gab es so viel anderen zu tun ...

Zehn Kapitel insgesamt sind geschrieben, und beim neuerlichen Lesen fand ich: schade drum; mach's fertig!